Parodontitis und Rheuma haben zwei wesentliche Gemeinsamkeiten: die Entzündung und ihre Folgen. Bei der Parodontitis entzündet sich zuerst das Zahnfleisch, beim Rheuma die Synovialmembran, die Innenauskleidung der Gelenke. Die Folge beider Entzündungen ist der schleichende Abbau von körpereigenem Gewebe wie Knorpel und Knocken: bei einer Rheumaerkrankung kommt es zu einer Zerstörung der Gelenke, bei einer Parodontitis zur Zerstörung des Kieferknochens und des Zahnhalteapparates. Bei beiden Prozessen sind ähnliche entzündungsfördernde Zytokine (spezielle Gruppen von Peptiden des menschlichen Körpers) beteiligt.
Wesentlich für das Entstehen und Fortschreiten von Parodontitis ist ein einziges Bakterium: Porphyromonas gingivalis. Es verfügt über zahlreiche krankheitsauslösende Faktoren und ist bisher das einzige Bakterium, von dem bekannt ist, dass es das Enzym Peptidylarginindeiminase (PAD) absondert. Das PAD wiederum ist ein wichtiger Krankheitsfaktor bei einer rheumatischen Erkrankung, denn seine Aktivität setzt einen Prozess in Gang, der die Bildung bestimmter Auto-Antikörpern fördert.
An der Universitätsklinik in Pittsburgh, USA wurde 2009 eine gemeinsame Studie von Zahnärzten und Rheumatologen durchgeführt, an der 40 an Parodontitis leidende Rheumapatienten teilnahmen. Eine Gruppe der Studienteilnehmer wurde einer Parodontitis-Therapie unterzogen, die andere nicht. Bei allen behandelten Rheumapatienten sank die Krankheitsaktivität des Rheumas deutlich und die Gelenksschmerzen gingen zurück. Weitere Forschungsergebnisse aus Rumänien, ebenfalls aus dem Jahr 2009, belegen auch den Umkehr dieser Studie: bei Rheumapatienten mit unbehandelter Parodontitis verstärkten sich die Krankheitsaktivität und die Gelenksschmerzen, bei Patienten ohne Parodontitis blieb beides gleich. Wurde das Rheuma bei allen Patienten gezielt behandelt, so verbesserten sich nicht nur die Rheumabeschwerden, sondern bei 80 Prozent der betroffenen Patienten auch die vorhandene Parodontitis. Gerade deshalb lohnt sich auch aus rheumatologischer Sicht eine zahnärztliche Behandlung.